Dornholzhausen · mundartlich „Hollesse“
Chronik
Kleines Dorf auf den Unterlahnhöhen im Naturpark Nassau — vom Ende der Eiszeit über den römischen Limes und das Silber im Mühlbachtal bis heute.
- Vor- und Frühgeschichte
Schon am Ende der Eiszeit siedeln Menschen im Gebiet. Aus der Keltenzeit (um 400 v. Chr.) sind im Gemeindewald noch Hügelgräber sichtbar; um 150 v. Chr. lösen Germanen die Kelten ab. Die Römer erreichen die Region von Westen.
- um 110 n. Chr.
Am Rand des Imperiums
Der Obergermanische Limes (heute UNESCO-Welterbe) verläuft südlich des Ortes; Dornholzhausen liegt im freien Germanien, jenseits der römischen Grenze. Bei Bad Ems betreiben die Römer ein Blei- und Silberhüttenwerk am Blöskopf.
- 1260
Ersterwähnung
Der Ort wird erstmals als „Durrenholzhusen“ urkundlich genannt. „Durren-“ steht dabei für dürr im Sinne von wasserarm — ein von Natur aus karges, trockenes Gebiet (nicht, wie oft vermutet, für „dürres Holz“). 1526 erscheint der Ort als „Holtzhusenn“ mit 8 Hausgesäßen. Aus dem Grundnamen Holzhausen wird über die Jahrhunderte der mundartliche Rufname Hollesse.
- Mittelalter
Kirche und vier Herren
Die Kirche wird 1260 erstmals erwähnt; Dornholzhausen bildet mit Dessighofen und Geisig ein gemeinsames Kirchspiel. Der Ort gehört zum „Vierherrischen auf dem Einrich“, einem Kondominium unter gemeinsamer Herrschaft von Hessen und mehreren Nassauer Linien.
- 1583
Silber im Mühlbachtal
In der Gemarkung besteht am Desselbach/Graubach eine Blei-, Silber-, Kupfer- und Zinkerzgrube namens „Guter Geselle“. 1585 beschließen die vier Herren des Einrich eine Schmelzhütte; das Erz enthält 41 Pfund Blei und 1½ Loth Silber im Zentner. Zwei Stollen führen in den Berg — einer soll bis unter die Kirche gereicht haben.
- um 1540
Reformation
Einführung der Reformation; danach heftige konfessionelle Konflikte zwischen lutherischer und reformierter Lehre.
- 1608
Der erstochene Pfarrer
Pfarrer Heinrich Jakob Piskator wird am 16. Februar 1608 von seinem Vorgänger Salomo Dietz erstochen — dieser war zuvor 15 Jahre hier Pfarrer, dann in Niederbachheim. Das Motiv ist bis heute ungeklärt.
- 1618–1648
Dreißigjähriger Krieg
Der Einrich wird schwer verwüstet. 1633 werden die Kirchen des Kirchspiels ausgeraubt (2.118 Taler Verlust); die Pfarrstelle bleibt jahrelang verwaist.
- 1687
Der Pfarrer von der Kanzel geholt
Pfarrer David Buderus wird während der Predigt vom Miehlener Schultheiß mit elf Mann aus der Kirche verschleppt und nach Burgschwalbach gebracht; die Bürgerwehr befreit ihn und gibt ihm sein Amt zurück.
- 1725
Die Raubnacht
Raubmord an den Pfarrersleuten Heinicus.
- 1774 / 1806
Nassau
Nach einer Teilung kommt der Ort unter Nassau-Usingen und Nassau-Diez, ab 1806 zum Herzogtum Nassau.
- 1866 / 1868
Preußen
Preußen annektiert das Herzogtum Nassau; der Ort kommt zur Provinz Hessen-Nassau. Das Ende der Kleinstherrschaften.
- 2. Hälfte 19. Jh.
Der Berg gibt her
Blütezeit des Emser Bergbaus (Blei, Silber, Zink) mit über 1.600 Arbeitern und Stollen bis 900 m Tiefe. Auch Männer aus dem Einrich arbeiten unter Tage — während das eigene, alte Silber im Mühlbachtal längst brachliegt.
- 1883
Die Luthereiche
Pflanzung der Luthereiche auf dem Kirchenvorplatz.
- bis 1929
Rheinlandbesatzung
Nach dem Ersten Weltkrieg ist der Ort bis 1929 besetzt.
- März 1945
Das Kriegsende im Dorf
Beim Herannahen der Front vermutet man einen feindlichen Beobachter im Kirchturm; die deutsche Artillerie aus Singhofen setzt ihm drei Treffer. In einem Artillerieduell am Ostrand fällt ein Soldat. Am 26. März ziehen die letzten deutschen Soldaten ab, dann rücken die Amerikaner ein.
- 1945/46
Neuordnung
Der Ort liegt in der französischen Besatzungszone; 1946 wird er Teil des neuen Landes Rheinland-Pfalz. 1950 werden 38 Flüchtlinge aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und Bessarabien aufgenommen.
- Mitte/Ende der 1950er

Das Forsthaus
Am Waldrand, nahe dem alten Limes, entsteht das Forsthaus.
- 1959
Ende des Bergbaus
Der Emser Bergbau wird eingestellt — Schluss nach rund 1.900 Jahren Bergbautradition, die bis zu den Römern zurückreicht.
- 1963
Naturpark Nassau
Gründung des Naturparks Nassau (Erweiterung 1979); Dornholzhausen liegt mittendrin, am Eingang zum Mühlbachtal.
- 1966
Ende der Dorfschule
Nach rund 300 Jahren wird die „Volksschule“ geschlossen.
- 1986
Dorferneuerung
Beginn einer umfassenden Dorferneuerung; Sanierung von Kirche und Dorfstraßen.
- 2005
Lutherskulptur
Aus dem Holz der 1883 gepflanzten Luthereiche entsteht eine Skulptur auf dem Kirchenvorplatz, die Lebensstationen Martin Luthers zeigt.
- Heute
Rund 220 Einwohner auf etwa 305 m Höhe (höchste Erhebung: der Köppel mit 336 m), im Naturpark Nassau, Ausgangspunkt für Wanderungen durch das Mühlbachtal — und mundartlich einfach: Hollesse.
Sprache
Woher „Hollesse“?
Hollesse ist die moselfränkische Mundartform von Holzhausen, über Jahrhunderte im Alltag abgeschliffen: Der unterscheidende Teil „Dorn-“ (früher „Durren-“, im Sinne von wasserarm) fällt weg — im einzigen Holzhausen weit und breit braucht ihn niemand —, und aus Holzhausen wird lautlich Holl-ese / Hollesse. Derselbe Wortkern wie im urkundlichen „Durrenholzhusen“ von 1260, nur rundgeschliffen wie ein Kiesel im Bach.
Land & Handwerk
Vom Wald und vom Berg
Neben der Landwirtschaft prägten den Ort über Jahrhunderte der Erzbergbau im Mühlbachtal (seit 1583), der Schieferabbau bei der Lumpenmühle, Kohlenmeiler in den Wäldern und die Mühlen im „Tal der Mühlen“ (Augustiner-, Neu-, Schul-, Loch-, Lumpen- und Oberwiesermühle). Das Ortswappen — ein bewurzelter grüner Laubbaum zwischen roten Weizenähren — steht für Land- und Forstwirtschaft.
Quelle: „Chronik der Gemeinde Dornholzhausen“ (W. & P. Singhof, I. Köhler, E. Mangold, R. Metz, A. Wagner, E. Söhn) sowie regionale Überlieferung.